Review Miami Dolphins @ Arizona Cardinals

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Das Spiel:

Die Miami Dolphins gewinnen den “Shootout in the Desert” in Woche 9 der NFL Saison 2020 mit 34-31 gegen Kyler Murray und die Arizona Cardinals. Erstmals seit 2016 gewinnen die Dolphins 4 Spiele in Folge und befinden sich weiterhin auf Platz 2 der AFC East. Würde die Saison heute enden, wären die Miami Dolphins auf Platz #7 in den NFL Playoffs!
Durch einen  Strip Sack von Emanuel Ogbah und einen Fumble Return Touchdown von Shaq Lawson startete die Miami Defensive mit einem Paukenschlag und die Dolphins gingen mit 7-0 in Führung.
In der Folge brillierten beide Offensiven. Nach jeweils zwei Touchdowns und einem Field Goal konnten die Dolphins mit 7 Punkten Vorsprung 24-17 in die Pause gehen.
In der zweiten Halbzeit starteten die Cardinals stärker und gingen nach Touchdowns von Darrell Daniels und Kyler Murray mit 31-24 in Führung. Die Dolphins glichen nach einem beeindruckenden 93 Yard Drive durch einen weltklasse Pass von Tua Tagovailoa auf Mack Hollins zum 31-31 aus. Direkt im Anschluss gelang es der Dolphins Defensive die Arizona Cardinals zu stoppen und einen Turnover on Downs zu erzwingen.
Gerade einmal 5 Plays und 28 Yards später konnte Jason Sanders, mit seinem 20sten erfolgreichen Field Goal in Folge (Miami Dolphins Rekord) die spielentscheidenden Punkte zum 34-31 Endstand erzielen.
Die Cardinals erhielten zwar noch einmal den Ball und die Chance zum Ausgleich, doch der Field Goal Versuch von Zane Gonzalez war zu kurz.

Offensive:

Die Dolphins Offensive zeigte mit 312 Yards, 3 Touchdowns , 2 Field Goals, fast 29 Minuten Time of Possession und 0 Turnovern eine sehr gute Leistung. Alle 3 Touchdowns folgten sehr langen Drives (80,75 und 93 Yards).

Rookie Quarterback Tua Tagovailoa zeigte gegen Arizona, warum sich Miami im letzten Draft für ihn entschieden hat. In seinem zweiten NFL Start nach einem Jahr verletzungsbedingter Pause konnte Tua 20 von 28 Passversuchen für 248 Yards und 2 Touchdowns an den Mann bringen. Trotz zwei Rookie Fehlern (Intentional Grounding, fast Interception beim Versuch den Ball ins Aus zu werfen) zeigte sich Tua merklich weniger nervös, als das noch gegen die LA Rams der Fall war. Er traf keine hektischen Entscheidungen, ging ruhig durch seine Progression und brachte seine Pässe präzise und gut platziert an den Mann. Auch die Frage ob Tua nach seiner schweren Hüftverletzung Angst vor dem Kontakt in der NFL hat, kann nach dem Spiel gegen Arizona klar verneint werden. Tua lief für 35 Yards, 3 Mal zum 1st Down und konnte so in spielentscheidenden Situationen Drives am Leben und somit die Miami Offensive auf dem Feld halten. Dabei scheute er keinen Kontakt. Tua Tagovailoa beendet das Spiel in Arizona mit einem 122,3 Passer Rating und einem 87,8 Quarterback Rating.

Das Sorgenkind der Miami Offense bleibt allerdings das Laufspiel. Nach dem Ausfall von Myles Gaskin haben die Dolphins Jordan Howard wieder aktiviert und wurden schmerzhaft daran erinnert, warum man zuletzt ohne ihn geplant hatte. Gerade einmal 19 Yards in 10 Versuchen (Ø1,9 Yards) konnte Howard erlaufen. Selbst der Touchdown, den er erzielen konnte, lässt diese Leistung insgesamt nicht als gut erscheinen. Die Statistiken von Salvon Ahmed, 38 Yards in 7 Versuchen (Ø 5,4 Yards) sehen auf den ersten Blick etwas besser aus. Rechnet man allerdings den längsten Run mit 19 Yards heraus, bleiben lediglich 19 Yards in 6 Versuchen (Ø 3,2 Yard) übrig. Auch Ahmeds Leistung in Pass Protection war alles andere als herrausragend.
Die Dolphins Coaches reagierten auf die Schwächen im Laufspiel und nahmen nach gerade einmal 15 offensiven Snaps Umstellungen in der Offense Line vor. Austin Jackson übernahm nach seiner verletzungsbedingten Auszeit wieder die Position des linken Tackles. Jesse Davis ersetze den rechten Guard Solomon Kindley. Die Offense Line startete also wie folgt:
Davis – Flowers – Karras – Kindley – Hunt
und beendete das Spiel folgendermaßen:
Jackson – Flowers – Karras – Davis – Hunt
Die Reaktion der Dolphins Coaches war sowohl wichtig als auch notwendig. Für die Schwächen im Run Blocking muss dringend eine Lösung gefunden werden und der Wechsel eines (beim Power zu langsamen) Guards war eine logische Konsequenz. Am Ende traf der Wechsel Kindley, weil Flowers der merklich bessere Guard im Pass Blocking ist.

Beste Spieler:

Tua Tagovailoa:
Selbstverständlich ist es zu früh, um Tua zum nächsten Messias zu erklären. Aber eine solche Leistung in seinem zweiten NFL Spiel als Starter hat auf jeden Fall Anerkennung verdient und macht Freude auf mehr.

Jason Sanders:
Sanders bleibt perfekt für diese Saison, hält nun den Miami Dolphins Rekord mit 20 erfolgreichen Field Goals in Folge und erzielt das längste Field Goal seiner Karriere (56 Yards)

Defensive:

Die Arizona Offensive feuerte aus allen Rohren und öffnete im Lauf des Spiels das Playbook weit. Die Cardinals zeigten der Dolphins Defensive fast alle Personel Groups und Formationen. So hatten die Cardinals im Laufe des Spiels 10er, 11er, 12er, 13er, 20er, 21er, 22er und sogar die in der NFL seltenen 30er und 31 Personel Groups in Form einer sogenannten Wishbone Formation auf dem Feld.

Die Miami Defensive wählte gegen Open Sets (Aufstellungen ohne Running Back) die gleiche Strategie wie schon gegen die Rams: Zero Pressure (Manndeckung ohne Safety Hilfe). Arizona konterte dieses Konzept allerdings mit designed Quarterback Runs von Kyler Murray. Da Murray den blitzenden Linebackern meist entwischte, konnte er konstant Yards zu Fuß gut machen.
Fast das gesamte Spiel über verteidigten die Dolphins Cornerbacks bestimmte ihnen zugeteilte Receiver. So verteidigte Xavien Howard fast immer DeAndre Hopkins, Byron Jones verteidigte Christian Kirk und Eric Rowe war überraschend für Larry Fitzgerald zuständig. Zusätzlich spielte Bobby McCain in Cover 1 den tiefen Safety und Miami versuchte Linebacker beziehungsweise Lineman in Coverage droppen zu lassen. Was gegen die Rams noch sehr gut funktionierte, fruchtete gegen Kyler Murray allerdings wenig. Murray ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, fand oft seine freien Receiver und konnte im Notfall selbst einige 1st Downs erlaufen. Kyler Murray spielte eines seiner besten Spiele seiner Karriere und brachte ein fast perfektes 150,5 Passer Rating (96,8 Quarterback Rating) und 106 Lauf Yards in 11 Versuchen (Ø9,6 Yards) aufs Feld.

So stark die Dolphins Defensive startete, so starke Probleme hatte sie im Laufe des Spiels. Die Defensive fand über das komplette Spiel kein valides Mittel gegen Quarterback Kyler Murray. Die Schwäche der Dolphins mobile Quartebacks zu kontrollieren, die sich in den Spielen gegen New England, Seattle und Bufallo gezeigt hatte, wurde von den Arizona Cardinals gnadenlos ausgenutzt. Die Dolphins weigerten sich fast das komplette Spiel einen Quarterback Spy abzustellen. Die Gründe hierfür bleiben allerdings ein Rätsel. Auch die Schwäche, dass die Dolphins Verteidiger gegen mobile Quarterbacks oft den ersten Tackle verpassen, wurde von Murray deutlich offen gelegt. 

Die gute Nachricht ist, dass die “Basis” Lauf Verteidigung ein sehr gutes Spiel gezeigt hat und den gegnerisch Running Back Chase Edmonds auf 70 Yards in 25 Versuchen (Ø 2,8 Yards) halten konnte. Auch gegen die Read Option sah die Miami Defensive stabil aus.

Beste Spieler:

Emanuel Ogbah:
Ogbah zeigte mit 5 Tackles (1 for loss), 1 Sack, 1 Quarterback Hit und einem abgeschlagenen Pass erneut eine hervorragende Leistung. Bei seinem Sack verursachte er einen Fuble der von…
Shaq Lawson:
.. zu einem Touchdown zurück getragen wurde. Außerdem konnte Lawson 3 Tackles (1 for loss) und 2 Quarterback Hits generieren.

Fazit:

Die Miami Dolphins reisen einmal quer durchs Land und besiegen ein favorisiertes Cardinals Team, das frisch aus der Bye Week kommt. Und das obwohl die Umstände alles andere als ideal waren. Mit Gaskin und Breida waren die beiden besten Running Backs der Dolphins verletzungsbedingt nicht dabei. Fünf Assistant Coaches der Dolphins mussten Covid-19 bedingt in Miami bleiben, unter anderem Tuas Quarterback Coach Robby Brown. Dazu die Bye Week der Cardinals und eine West Coast Reise sprachen im Vorfeld gegen die Dolphins.
Vor diesem Hintergrund war das Spiel gegen die Cardinals eines, wenn nicht das beeindruckendste Spiel, das die Dolphins in der Flores Ära gezeigt hatten. Trotz einer fast perfekten Leistung des gegnerischen Quarterbacks Kyler Murray hatte man zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Dolphins dieses Spiel gewinnen können. Am Ende steht ein beeindruckender Sieg nach starker Leistung.

Die Dolphins können nun mit breiter Brust zurück nach Miami reisen, wo sie am nächsten Sonntag auf die Los Angeles Chargers treffen. Mit einem Sieg gegen die Chargers könnte Miami die Playoff Ambitionen festigen und den Druck auf die Buffalo Bills erhöhen. Die Chargers werden angeführt von Quarterback Justin Herbert, der vor dem Draft von vielen Experten in Miami gesehen wurde. Nun ist es an Tua im direkten Duell zu beweisen, dass sich die Dolphins richtig entschieden haben.