Review L.A.Rams @ Miami Dolphins

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Das Spiel:

Die Dolphins empfingen in Woche 8 der NFL Saison 2020 die Los Angeles Rams in Miami. Nach der Bye Week in Woche 7 waren die Dolphins gut vorbereitet und konnten gegen die Rams einen ungefährdeten 28-17 Sieg verbuchen. Die Dolphins erreichen das erste Mal in der Flores Ära einen positiven Record von 4-3 und haben Platz 2 in der AFC East gefestigt.

Miami startete offensiv unglücklich mit einem Fumble des neuen Starting Quarterbacks Tua Tagovailoa an der eigenen 23 Yard Line. Die Rams gingen 3 Spielzüge später durch einen Touchdown von Robert Woods mit 7-0 in Führung. Die Dolphins konnten noch im ersten Quarter durch Tuas ersten NFL Touchdown Pass auf DeVante Parker auf 7-7 ausgleichen.

Im zweiten Quarter überschlugen sich die Ereignisse. Gerade einmal zwei Plays nach einem Dolphins Fumble an der eigenen 7 Yard Line konnte Andre Van Ginkel einen Fumble von Jared Goff 78 Yards zum Touchdown tragen. Es folgte ein schnelles 3 & out der Rams und dann war es Jakeem Grant, der einen sehr tiefen Punt von Johnny Hekker 88 Yards zum Touchdown returnen konnte. Keine 5 Minuten später erhöhten die Dolphins, nach einem weiteren Fumble von Jared Goff, durch einen Myles Gaskin Touchdown auf 28-7. Die Rams konnten 15 Sekunden vor Schluss noch durch ein Feldtor punkten und das Spiel ging mit 28-10 in die Pause.

Wie bereits im Spiel gegen die Jets passierte in der zweiten Hälfte nicht mehr viel. Die Dolphins Defensive ließ lediglich noch 7 Punkte durch einen Jared Goff Pass auf Robert Woods zu. Die Offensive der Dolphins war in Halbzeit zwei nicht existent. Durch fragwürdiges Playcalling konnten die Dolphins 76 Yards in 26 Plays verbuchen was zu 0 Punkten und 6 Punts führte.

Offensive:

Die Dolphins Offensive startete schwach und legte im Laufe des Spiels kaum zu. Die einzige Ausnahme war ein kurzer 33 Yard Drive, der mit Tuas erstem NFL Touchdown endete. Die Rams Defense baute darauf, Tuas bevorzugte Rollouts nach links zu unterbinden, was ihnen durch einen konstanten Overload der linken Seite und Blitzes von links auch sehr gut gelang.
Tua wurde dadurch gezwungen schnellere Entscheidungen zu treffen und den Ball schneller los zu werden. Tua schien in seinem ersten NFL Start zeitweise verunsichert und selbst wenn es ihm gelang, schnelle und präzise Pässe zu werfen, wurde er des Öfteren von seinen Receivern im Stich gelassen. Speziell Preston Williams fiel durch mehrere Drops unangenehm auf. Die Secondary der Rams erledigte den Rest, verteidigte souverän und so konnte Tua zu keinem Zeitpunkt einen wirklichen Rhythmus finden.

Tuas erster NFL Start war solide. Kurzzeitig blitzte sein Talent und seine Klasse auf, wie beim Touchdown Pass auf DeVante Parker. Man hat einen ersten Eindruck davon bekommen, auf was man sich in Miami die nächsten Jahre freuen kann. Alles in allem konnte er aber, durch das sehr konservative Playcalling und die unnötigen Drops, nicht genug zeigen, um von sich zu überzeugen .

Das größere Sorgenkind der Miami Offensive ist aber nach wie vor das Laufspiel. Gerade einmal 55 Yards in 25 Versuchen (Ø2,2 Yards) konnte das Team hier verbuchen. So gut sich die Dolphins Oline in der Pass Protection zeigt, so schwach blockt sie für den Lauf. Die Oline hat nahezu keinen Push und ist nicht imstande die Defensive Line des Gegners zu bewegen. Das Power Running Game ist noch immer schlecht und der Eindruck, dass keiner der Miami Guards auf NFL Niveau pullen kann, festigt sich immer mehr. Das muss sich dringend ändern, denn ohne ein funktionierendes Laufspiel wird die Miami Offensive weiterhin Probleme haben lange Drives aufzubauen, die Uhr zu kontrollieren und ein Spiel “nach Hause zu laufen”.

Auch die Wildcat Experimente versagen jede Woche auf ein Neues, was wenig überraschend ist, wenn man bedenkt, dass die Dolphins diese Saison aus der Wildcat noch nie gepasst haben, sondern immer gelaufen sind. Vielleicht wird es Zeit dieses Experiment ad acta zu legen oder wenigstens eine gesunde Varianz (oder wenigsten einen Jet Sweep) einzubringen.

Beste Spieler:

In der Offensive der Dolphins waren im Spiel gegen die Rams leider alle blass. Eine herrausragende Leistung zeigte allerdings:

Matt Haack:
Haack zeigte ein perfektes Spiel. Er platzierte von 9 Punts 5 innerhalb der 20 Yard Linie und 3 davon innerhalb der 10 Yard Linie. Er “outkickte” seine Coverage nicht (wie Johnny Hekker auf der anderen Seite), ließ somit keine nennenswerten Returns zu und verursachte auch keinen Touchback. Mit seinen Punts sorgte er für durchgehend schlechte Starting Field Position der Rams. 

Defensive:

Die Dolphins Defensive knüpfte nahtlos an die dominante Leistung aus dem Jets Spiel an. Nur, dass es sich gegen die Rams um einen deutlich gefährlicheren Gegner handelte. Die Dolphins machten das gesamte Spiel massiven Druck auf den gegnerischen Quarterback Jared Goff. Dieser erwischte einen rabenschwarzen Tag und verursachte 4 Turnover (2 Interceptions und 2 Fumbles). Die Defensive nahm, durch diesen sehr starken Druck, Jarred Goff die Möglichkeit durch Rollouts ins Spiel zu kommen. Auf Empty Sets Seiten der Rams reagierte die Dolphins Defensive mit Manndeckung ohne Safety und sorgten so dafür, dass 5 Oliner der Rams 6 Verteidiger blocken mussten. Dadurch musste Goff den Ball so schnell loswerden, dass seine Receiver praktisch keine Zeit hatten, sich frei zu laufen. Gegen 12er (1 RB 2, TE) und 22er (2 RB, 2 TE) hingegen spielten die Dolphins eine Zonendeckung, blitzten mit Linebackern und ließen Defense Liner in die Zone droppen, wie bei der Interception von Christian Wilkins.
Die Rams konnten über das komplette Spiel keinen verlässlichen Weg finden, diese ständig wechselnde und sehr kreative Verteidigung der Dolphins zu überlisten. Jarred Goff hatte Schwierigkeiten zu erkennen, welcher Spieler blitzt und welcher in eine Zone fällt. Durch diesen stetigen Wechsel zwischen Zone und Manndeckung, Blitzes und Zone Blitzes, und dem brutalen Druck der Front konnte die Dolphins Defensive dieses Spiel praktisch im Alleingang gewinnen.
Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die Lauf Defensive der Dolphins, auch wenn diese durch die dominante Defensiv Leistung verbessert schien. Tatsächlich haben die Dolphins aber noch immer starke Probleme im “Outside Contain” und “Edge Setting”. Miami ist durch outside runs verwundbar und hier sollte eine Lösung gefunden werden.

Beste Spieler:

Einen einzelnen dominanten Spieler hervorzuheben fällt schwer und erscheint auch nicht fair. Die gesamte Defensive der Dolphins war dominant. Jeder einzelne Spieler hatte eines oder mehrere Impact Plays. Dieser Sieg geht alleine auf das Konto der Defensive und daran waren alle Spieler beteiligt.

Coaching:

Beim Coaching der Dolphins gab es leider sehr helles Licht und sehr dunkle Schatten.
Defensiv gibt es keine Zweifel: Josh Boyer und Brian Flores arbeiten Woche für Woche (mit Ausnahme des Patriots Spiel in Woche 1) einen sehr guten, funktionierenden, auf den Gegner zugeschnittenen Gameplan aus.
Im Spiel gegen die Rams war der Gameplan so perfekt, dass die Defensive praktisch im Alleingang (mit Hilfe von Jakeem Grants Punt Return Touchdown) das Spiel gewinnen konnte.

Offensiv bleiben nach dem Spiel gegen die Rams viele Fragezeichen. Auch wenn es sich um Tuas ersten NFL Start handelte, schien der Gameplan extrem konservativ. Nur zwei Pässe gingen über 20 Yards und einer über 15 Yards. Alle anderen Passversuche waren unter 10 Yards. Offensichtlich wollte Miami mit dem schnellen Kurzpass-Spiel (Tua hatte im Schnitt 2,27 Sec Time to Throw) verhindern, dass der LA Rams Pass Rush Tua erreichen kann.  Ein überwältigender Anteil der Runs ging auf die Linke Seite der Offense, also genau auf die Seite, auf der die Rams sowieso überladen haben, um Tua´s Rollouts zu unterbinden. Das ganze wurde durch mehrfache fürchterliche Wildcat Versuche ohne Jet Sweep aus der Shotgun noch absurder.
Bei allem Verständnis dafür, dass die Coaches Tua langsam an die NFL heran führen wollen, ein solch konservatives Playcalling ist schwer zu begreifen. Die Coaches werden über die nächsten Wochen das Playbook öffnen müssen, um Tua die Möglichkeit zu geben, mehr Einfluss auf das Spiel zu nehmen.

Fazit:

Die extrem starke Dolphins Defensive gewinnt mit Hilfe der Dolphins Special Teams ungefährdet gegen die Los Angeles Rams und ein bisschen Tua gab es auch zu sehen.
Miami steht nun das erste Mal in der Brian Flores Ära bei einem positiven Record und festigt den 2ten Platz in der AFC East.
Als nächstes spielen die Dolphins in Arizona gegen starke Cardinals, die aus ihrer Bye Week kommen.
Der Wechsel von Fitzpatrick auf Tagovailoa scheint die Dolphins Offensive vorrübergehend zu bremsen. Die Entwicklung von Tua und der gesamten Miami Offensive der nächsten Wochen wird zeigen, ob man in Miami von Playoffs träumen darf.