Preview Miami Dolphins @ Arizona Cardinals

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Das Match:

In der neunten Spielwoche sind die Miami Dolphins zu Gast bei den Arizona Cardinals. Das zweitplatzierte Team der NFC West spielt bisher eine sehr gute Saison und besiegte in Woche 7 den Erzrivalen aus Seattle im heimischen  State Farm Stadium, bevor es in die verdiente Bye Week ging. Somit hatte die Truppe von HC Kliff Kingsbury nicht nur die Möglichkeit sich zu erholen, sondern konnte auch in Ruhe das Spiel der Dolphins gegen die L.A. Rams beobachten. Das ist ein zusätzlicher Vorteil für die Cardinals in einem ohnehin schon schweren Spiel für das Team aus Florida. Die Nr. 1 Scoring Defense der Liga (Miami lässt im Schnitt nur 18,6 Punkte pro Spiel zu) trifft auf eine sehr potente Offense (Nr. 1 in Total Yards pro Spiel mit 419,1 und Nr. 2 in Rush Yards pro Spiel mit 160,7), die neben dem starken Laufspiel auch noch von einem sehr mobilen und lauffreudigen QB Kyler Murray angeführt wird. Bisher hatte Miami viele Schwierigkeiten gegen solch mobile QBs, was man in den Spielen gegen NE, Buffalo und Seattle sehen konntet. Ob es Miami gelingt, einen Defensive Game Plan aufzustellen und durchzuführen, der die Cardinals Offense stoppt? Es wird auf jeden Fall ein spannendes „Schachspiel“ zwischen dem Offensive Guru Kingsbury und dem Defensive Guru Flores.

Der Gegner:

Die Arizona Cardinals hatten in 2019 noch den First Pick Overall (mit dem sie ihren Starting- und potentiellen Franchise-QB Kyler Murray wählten) und befinden sich nach einem beeindruckenden Turnaround in Jahr 2 aktuell auf Playoff Kurs. Dies ist, neben dem starken Spiel von Kyler,  hauptsächlich dem Front Office Gespann aus HC Kingsbury und GM Steve Keim zu verdanken. Das Team ist offensiv und defensiv sehr gut gecoached und ausgeglichen. Des Weiteren gelang es in der Offseason 2020 weitere Talente zu akquirieren, um das Team zu stärken (allem voran der Trade für De’Andre Hopkins mit Houston).

Die Offensive von Arizona ist sehr variabel und spielt so ziemlich alle Formationen und Personell Groups, die man sich vorstellen kann, aus denen fast immer auch gepasst und gelaufen wird. Hier kann man kaum klare Tendenzen ablesen. Auffällig ist auf jeden Fall, dass die Cardinals bei “3 and long” gerne 10-Personell in der Shotgun spielen und dann den RB in Motion schicken („empty backfield“). Somit ziehen sie alle Verteidiger aus der Mitte, wodurch Murray besser das Spielfeld überblicken kann und natürlich zur Not selbst über die Mitte das First Down per QB Run erzielen kann. Wenn die Defense einen QB Spy auf Murray ansetzt, kann nur noch ein Safety in der Pass Coverage aushelfen. Wenn die Defense zusätzlich noch einen Blitzer schickt, hat man Cover 0. Dies ist gegen Arizona eine besonders heikle Situation, denn sie verfügen über einen ausgezeichneten Receiving Corps, angeführt von den All Pros DeAndre Hopkins (PFF Grade  87.8; Platz 4 von 118 WRs) und Larry Fitzgerald, die 1 gegen 1 fast nicht zu verteidigen sind. Auch die Running Backs sind sehr gute Passempfänger aus dem Backfield.(z.B. Chase Edmons, PFF Platz 11 von 55 RBs). Die O-Line von Arizona hat bisher nur 9 Sacks abgegeben (Platz 2 in der Liga, Platz 10 gem. Adjusted Sack Rate mit 5,6%) und wenn der Druck mal durch kommt, ist Kyler Murry extrem schwer tatsächlich für einen Sack zu erwischen. Durch seine Wendigkeit und Athletik kann er sich immer wieder aufs Neue dem Zugriff der Verteidiger entziehen und wertvolle Laufyards erzielen. Teilweise wirkt es, als würde man einer deutschen Dogge zusehen, wie sie einen Jack Russel Terrier fangen will. In aller Regel endet so ein Versuch damit, dass Kyler nach einem erzielten First Down auf den Boden slided oder gemächlich out of bounds läuft. Hat Murray genug Zeit in der Pocket, dann versucht er immer wieder mal einen „deep shot“ auf Deandre Hopkins, um ein Big Play zu erzielen und um die Coverage tief zu halten. Ein weiterer auffälliger Punkt sind die „Trickspielzüge“ die Kingsbury ab und zu einbaut. Hierauf muss Miami unbedingt achten und die Spieler entsprechend einstellen. Z.B. gab es gegen Seattle eine Situation als alle Offense Spieler von Arizona nach rechts zur Seitenauslinie schauten. Darauf hin schaute auch der CB, der Deandre Hopkins in Manndeckung hatte, in diese Richtung und verlor seine Anspannung. In dem Moment  wurde plötzlich der Ball gesnaped und Hopkins war zumindest so weit frei, dass Kyler den tiefen Ball für einen TD anbringen konnte. Ein anderes mal hatte Kingsburry 3 „WR“  hintereinander Outside aufstellen lassen, wobei 2 davon TEs waren und der dritte ganz hinten war Hopkins. Hier wollte er einen „Bubble Screen“ werfen mit zwei TEs als Vorblocker, was aber misslang, weil die TEs geschlafen hatten.

Die sehr variable 3-4 Verteidigung der Cardinals wird von einem alten Bekannten gecoached. Vance Joseph, der 2016 Defensive Coordinator in Miami war, verwendet ähnliche „Schemes“ in der Defense wie Miami es tut. Die Fronts sind sehr variabel, die Secondary verschleiert ihre Coverage Schemes sehr gut und es werden viele exotische Blitzes durchgeführt. Angeführt wird die Defense von All Pro CB Patrick Petersen und Safety Buddah Baker. Während Peterson als zuverlässiger Lockdown CB fungiert, wird Baker überall auf dem Feld eingesetzt. Er verteidigt TEs, spielt gegen den Lauf und ist ein sehr versierter Blitzer. Durch die Verletzung von Chandler Jones gibt es kein besonderes Pass Rushing Talent. Meist sind die Sacks ein Team Effort oder Schemed Blitzes. Hervorzuheben ist vielleicht Hasson Reddick, der von seiner Rush End/OLB Position bisher 5 Sacks erzielen konnte. Das Talent in der D-Line ist aktuell überschaubar und die Linebacker sind recht leicht. Gegen Seattle hat man deutliche Schwächen in der Lauf Defense gesehen. In offensichtlichen Pass-Situationen spielt Arizona auch manchmal Cover 0 und blitzt teilweise mit dem Nickel Corner oder dem Safety. Hierauf muss Tua und Miami vorbereitet sein. Da die Defense teilweise sehr aggressiv die Gaps attackiert, kann man sie mit Screen Passen auskontern oder der QB läuft auch mal selbst (ob wir das von Tua sehen wollen, steht auf einem anderen Blatt). Seattle hatte es im Spiel vor allem auf CB Dre Kirkpatrick abgesehen, der keine glückliche Figur machte und viele Pässe zuließ.

Schlüssel zum Sieg:

– Murray zu unpräzisen  Pässen aus der Pocket zwingen

Kyler Murray und  seine Receiver haben genug Talent, dass sie jede Defense auseinander nehmen können, wenn sie genügend Zeit haben, bis sich die Routen entwickelt haben und der QB in Ruhe „Maß nehmen“ kann. Daher muss die Defense sofort Druck entwickeln, damit Murray sich unwohl fühlt und die Coverages nicht richtig identifiziert. Allerdings darf er nicht aus der Pocket ausbrechen, denn sonst kann er sich genügend Zeit erlaufen, bis die Receiver frei sind oder gar selbst zum First Down laufen. Außerdem ist ein Sack im freien Feld viel schwieriger als in der „engen“ Pocket. Wenn Kyler  den Ball früh passen muss, können hauptsächlich kurze Bälle kommen und die Secondary kann das Spiel vor sich halten. Vielleicht sind so auch ein paar Turnovers möglich. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass die Defense das Laufspiel soweit in Schach halten kann, dass Arizona überhaupt passen muss oder dass Miami wieder früh hoch führt.

Key Matchup: Miami Front 7 vs. Kyler Murray

Die D-Line muss genügend Druck aufbauen, darf aber das Outside Contain nicht aufgeben. Besser ist es, wenn Murray über die Mitte flüchten will, wo hoffentlich der QB-Spy (vermutlich Jerome Baker) auf ihn wartet. Baker darf auf keinen Fall überreagieren, sondern muss geduldig warten und dann den sicheren Tackle machen. Wichtig ist, nicht auf die “Pump Fakes” von Murray zu reagieren, sondern immer auf den Mann gehen.

– Tight Coverage

Die Offense von Arizona zu stoppen ist ein „total team effort“ und natürlich funktioniert Schlüssel Nr. 1 auch nur dann gut, wenn die Secondary die Receiver von den Cardinals in Schach hält. Hierzu muss ein guter Mix aus verschiedenen Coerages gespielt werden, um Murray zu verwirren und von Zeit zu Zeit wird es nötig sein, dass die CBs die WR ohne Safety Hilfe decken können.

Key Matchup: Jones/Howard/Needham vs. Hopkins/Kirk/Fitzgerald

Die Receiver von Arizona sind sehr stark und helfen Kyler mit Contestet Catches und präzisen Routen immer wieder aus der Patsche. Vor allem Hopkins ist der Go-To-Guy von Murray, wenn Hopkins 1-1 gedeckt wird.  Hier müssen die Miami CBs (vermutlich Jones) stand halten und dürfen nicht zu viele  Big Plays abgeben, wenn Miami im Spiel bleiben will. Liegt Miami früh weit hinten, dann wird es schwer für Tua und Miami.

– Time for Tua

In seinem Debut hatte Tua gegen die Rams D-Line viel Druck und der Game Plan war schnell zu passen, damit der Pass Rush ihn nicht erwischt (was man an der kurzen „Time to Throw“ mit 2,27 und den “Intended Air Yards” von 4,8 gut sehen kann). Dass es praktisch kein Laufspiel gab, verschärfte die Situation zusätzlich. Damit Tua sein Potential entfalten kann, braucht er etwas mehr Zeit in der Pocket, um auch tiefere Pässe anbringen zu können  (dann können auch andere Routen gelaufen werden). Zusätzlich wäre es wichtig ein funktionierendes Laufspiel zu etablieren, damit die Defense sich nicht auf die Pässe einstellen kann und andauernd blitzt.

Key Matchup: Miami O-Line vs. Cardinals Front 7

Aktuell ist die Miami Offense auf Platz 28 in Rush Yards und die O-Line auf Platz 30 bei „adjusted line yards”. Ohne funktionierendes Laufspiel wird die Offense eindimensional und kommt immer wieder in “3 and long” Situationen. Hier muss vor allem die O-Line mehr „push“ an der LOS generieren und Lücken öffenen, damit die RBs positive Yards erzielen können. Hier sind vor allem die Guards Flowers und Kindley gefragt. In Pass Protection braucht Tua genügend Zeit für seine Würfe. Hier kommt der Druck vor allem von Reddick über die linke Seite (wo auch Tua hin seine Roll-Out machen will)  und durch die blitzenden Linebackers, Corners und Safeties. Typischerweise hilft hier ein RB in der Pass Protection. Vor allem durch den Ausfall von Myles Gaskin und die Verletzung von Breida wird ein unerprobter RB die blitzenden Spieler von Tua abhalten müssen. Diese Schwäche wird Vance Joseph testen und Miami muss vorbereitet sein.

Key Injuries (OUT oder DNP)*:

– Miami Dolphins
LT Austin Jackson (IR), DT Godchaux (IR), RB  Myles Gaskin (IR), RB Matt Breida

– Arizona Cardinals
DE Chandler Jones (IR),, DE Zach Allen (IR), RB Kenyan Drake, CB Der Kirkpatrick, DT Jordan Philips

* Stand des Injury Reports von Donnerstag, 05.11.2020