Preview L.A.Rams @ Miami Dolphins

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Das Match:

Nach der Bye-Week empfangen die hoffentlich ausgeruhten und erholten Miami Dolphins ein echtes Schwergewicht aus der NFC im heimischen Hard Rock Stadium. Die L.A. Rams  treten nach einem souveränen Sieg gegen die Chicago Bears im Monday Night  Game nach einer kurzen Woche die lange Reise nach Florida an. Das Team von HC Shawn McVay spielt bisher eine sehr gute Saison und musste sich nur zweimal in knappen Auswärtsspielen geschlagen geben. In der heftig umkämpften NFC West belegen die Rams mit einem Record von 5-2 aktuell den dritten Platz. Die Miami Dolphins mit ihrem frisch ernannten Starting QB Tua Tagovailoa erwartet eine hart umkämpfte Schlacht gegen ein physisch starkes Team.  Das Team aus Kalifornien ist zwar 3,5 Punkte Favorit, doch sind die Dolphins keineswegs chancenlos. Für Miami spricht, dass sie durch die Bye Week ausgeruhter sind, sich zwei Woche auf den Gegner vorbereiten konnten und L.A. nicht genau weiß, wie die Dolphins mit Tua als QB spielen werden.

Der Gegner:

Die L.A. Rams verpassten nach ihrem Superbowl Auftritt in 2018 letztes Jahr die Playoffs und sind in diesem Jahr auf Wiedergutmachung aus.  GM Les Snead hat eine sehr gute Truppe zusammengestellt, die sowohl offensiv als auch defensiv mit einigen Pro Bowl Spielern aufwarten kann. Die Rams liefern typischerweise eine sehr gute Team Leistung in allen drei Phasen des Spiels ab (Platz 10 in Total Offense und Platz 6 in Total Defense, Punter Johnny Hekker führt die Liga an in Punts inside 20 yard line) und bieten dem Gegner wenig Schwachpunkte.

Markenzeichen der Offense von HC McVay ist die pre-snap motion (vor allem der Jet-Sweep), um die Defense des Gegners zu verwirren, in Bewegung zu versetzen und die Assignments zu verraten. Oft wird der Jet-Sweep aus „tight formations“ heraus gespielt (alle WRs befinden sich innerhalb der „Nummern“ auf dem Feld) und z.B ein WR im slot bewegt sich vor dem Snap im Sprint parallel zur LOS (line of scrimmage). Quarterback Jarred Goff timed den Snap so, dass der WR an ihm vorbei sprintet, wenn dieser den Ball vom Center empfangen hat. Nun hat er zunächst drei Optionen. Entweder er übergibt den Ball dem WR für einen Lauf über außen, er übergibt den Ball an den Running Back, der hinter dem QB auf den Ball wartet oder er täuscht den Hand-Off zum Running Back nur an (play-action) und behält den Ball. Oft kombiniert McVay diesen Spielzug mit einem Roll-Out des QBs gegen die Laufrichtung des Jes-Sweeps, da sich typischerweise die Defense in die Richtung bewegt, in die der Jet-Sweep WR läuft. Durch diese vielen Optionen zögert die Defense oft, um sich zu orientieren und QB Goff hat viel Zeit und wenig Druck, um seine Passe anzubringen (seine „average time to throw“ liegt mit 2,81 Sekunden in der oberen Hälfte der Liga). Meist versuchen die Rams eher kurze Pässe, nehmen aber immer wieder auch einen „deep shot“ aus der Playaction.  Nur 10 QBs haben weniger intendet air yards als Goff (7,3 yards) und bei den completed air yards sind es sogar nur  9 QBs die schlechter sind (er hat 5.3 yards per attempt).  Statistisch hat er zwar ein gutes Passer Rating (102.4) aber gegen die Bears hatte er viele kurze Würfe genommen und oft freie Receiver überworfen. Das pass Spiel wird unterstütz von einem sehr guten WR Tandem in Robert Woods und Cooper Kupp, der vor allem in der 3rd down conversion brilliert.  Die Oline der Rams, angeführt von Urgestein Andrew Whitworth (Platz 4 PFF mit einem Grade von 87.0) ist eine der Besten der Liga. Das Laufblocking ist auf Platz 1 in de Kategorie adjusted line yards (4,93 Yards per Attempt) und auf Platz 2 in adjusted sack rate (3,9%  per pass attempt). In Summe wurden bisher nur 8 Sacks abgegeben.

Die Verteidigung wird angeführt von All Pro DT/DE Aaron Donald und Pro Bowl CB Jalen Ramsey. Gespielt wird eine aggressive 3-4 Front, wobei sich Aaron Donald variable in der Line dort aufstellt, wo er das größte Missmatch erwartet. Die Secondary spielt meist eine Zonenverteidigung (Cover 3), wobei die Spieler in der Secondary viel in Bewegung sind und verschiedene Rollen einnehmen, um den gegnerischen QB zu verwirren. Wenn nun noch der Druck hinzukommt, den Aaron Donald, Michael Brockers und OLB Leonard Floyd generieren, dann wird es für den Gegner schwer zu punkten. Die Nr. 2 scoring defense der NFL lässt im Schnitt nur 17,7 Punkte zu und erzielte neben 8 take aways auch 24 Sacks (Platz 3 der Liga). Allerding hat die Niederlage gegen die 49ers auch einige „wunde Punkte“ in der Defense gezeigt. Die sehr aggressive Defense, welche viel „penetration“ generiert, kann durch Screen Pässe und verzögerte Läufe ausgekontert werden und die beiden Inside Linebackers haben deutliche Schwächen gegen den Pass gezeigt (Platz 70 und 76 von 81Lbs lauf PFF). Im pass Spiel sollte man in aller Regel nicht unbedingt in die Richtung von Ramsey passen, wobei er gegen Chicago so sehr auf eine INT spekulierte, dass er auf eine gut ausgeführte „Stop&Go“ Route hereinfiel. Durch die Verletzung von Satefy John Johnson und dessen Backup Terrell Burgess wird vermutlich ein unerfahren Spieler starten. Diese Chance könnte Miami nutzen, um ein paar tiefe Bälle zu werfen.

Schlüssel zum Sieg:

  •  Offensive Game Plan für Tua’s Skill Set

Die Miami Dolphins haben ihren Starting Quarterback gewechselt und werden das Spiel gegen die Rams mit ihrem jungen Hoffnungsträger „Tua“ bestreiten. Allerdings wird dies sein erstes Spiel nach einer schweren Hüftverletzung und zusätzlich noch das erste Spiel in der NFL überhaupt (abgeshen von einer Hand voll Snaps gegen die Jets). Der DC der Rams wird sich denken können, dass die Dolphins Tua am Anfang einfache Pässe geben werden und versuchen ihm den Rücken frei zu halten  (weit weg von Aaron Donald). Im College waren die Stärken von Mr. Tagovaiola präzise Passen, sowohl im Quick Passing Game (z.B. aus dem RPO auf quick slants) als auch aus dem Lauf. Tua hatte übrigens im College ein Passer Rating von 152,1, wenn er den Ball unter 2,5 Sekunden nach dem Snap geworfen hat. Daher wird sich die Defense darauf einstellen und Tua in der Pocket halten (z.B. über CB Blitze etc.), sowie die Coverages möglichst lange verschleiern bzw. die Slants weg nehmen, damit der ins Grübeln kommt.

-Key Matchup: Chan Gailye vs. Brandon Staley
Hat Gailey die entsprechenden Spielzüge im Petto (und wählt sie auch im richtigen Moment), um Tua erfolgreich passen zu lassen? Es sollte  immer ein „outlet“ Receiver da sein, um den Ball möglichst schnell los zu werden, wenn Mr. Donald auftaucht. Idealerweise findet Gailey Spielzüge/Routen-Kombinationen, die die Linebacker oder den Strong Safety unter Druck setzten. Der vermehrte Einsatz von RPO-Spielzügen wäre auch eine Möglichkeit, die Defense zu verunsichern. Wenn diese Pässe (und auch Läufe im Falle des RPO) am Anfang gelingen und die Defense darauf reagiert, kann man auch die Roll-Out Spielzüge durchführen (bei denen er hoffentlich wirft und nicht selbst mit dem Ball läuft).

 

  •  O-Line Play

Die Rams Defense und besonders die D-Line ist physisch sehr stark und auch schnell. Die O-Line der Dolphins muss eine Best-Leistung abrufen, um Aaron Donald und Co in Schach zu halten und auch Lücken für das Laufspiel zu öffnen.  Tua braucht in seinem ersten Spiel etwas Zeit, um die Defense zu lesen und er muss auch das Vertrauen in seine O-Line aufbauen. Dies wird eine große Herausforderung für die Starting Five.

-Key Matchup: Solomon Kindley/Robert Hunt vs. Aaron Donald
Aaron Donald spielt tendentiell öfter auf der linken Seite der D-Line und wird sich freuen, gegen Rookies antreten zu dürfen. Obwohl Hunt und Kindley bisher gute Spiele abgeliefert haben, werden sie gegen den zweimaligen Defensive Player of the Year eine fast unlösbare Herausforderung haben. Vermutlich wird Donald bei jedem Spielzug gedoppelt. Hier müssen die beiden Rookies perfekt zusammenarbeiten und höllisch auf die Schnelligkeit von Donald aufpassen, ansonsten wird es ein langer, schmerzhafter Tag für Tua.

  •  Outside Contain & Druck

In der Verteidigung muss Miami das zuvor beschriebene Play-Action Game mit Jet Sweep Motion stoppen. Hierzu ist es sehr wichtig, dass die Edge Setter ihre Position halten, damit die Spielzüge nicht nach außen durchbrechen und der QB-Roll-Out nicht funktioniert. Dies hilft auch bei den Outside Zone Runs, die McVay gerne durchführt. Allerdings kann es dann sein, dass die Dolphins zu viele Laufyards über die Mitte abgeben. Hier sind die DTs und Linebacker gefragt. Die Secondary mit Howard und Jones hat das Talent, die Receiver Woods und Kupp so lange zu decken, dass der Passrush auch gegen eine gute Oline eine Chance hat Druck aufzubauen. Gelingt dies, wird Goff deutlich unpräziser und überwirft seine Receiver. So geschah es gegen die 49ers. Miami muss take aways produzieren.

-Key Matchup: the VAN-brothers (van Noy, und van Ginkle) vs. OTs Whitworth und Havenstein
Die beiden OTs der Rams sind nicht nur gute Pass Protectors, sondern auch unangenehme Run Blocker (Platz 4 und Platz 21 von 73 OTs Overall Grade lauf PFF). Die Herren sind 6‘7 und 6‘8 und wiegen beide über 330 Pfund. Dennoch müssen die Edge Defender ihre Position halten, um nicht überlaufen zu werden. Vor allem auf der linken Seite bei den Rush Ends könnte das zu einer großen Herausforderung werden. Im Pass Rush müssen van Ginkle und van Noy ihre Schnelligkeit ausspielen und im Falle eines unerfolgreichen Rushs die Hände hoch nehmen, denn Goff wirft oft kurze Pässe, die ggf. dann abgeschlagen werden können.

Key Injuries (OUT oder DNP)*:

– Miami Dolphins
LT Austin Jackson, DT Godchaux,  CB Jamal Perry

– L.A.Rams
S John Johnson II, S Terrell Burgess

* Stand des Injury Reports von Donnerstag, 30.10.2020