Preview L.A. Chargers @ Miami Dolphins

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Das Match:

Am zehnten Spieltag findet im heimischen Hard Rock Stadium das Duell zwischen den Miami Dolphins und den L.A. Chargers statt. Es ist auch das erste Aufeinandertreffen der beiden Top-10 Draft Pick Rookie Quarterbacks Tua Tagovailoa und Justin Hebert, die mehr als nur ein paar Gespräche in der Scouting Combine verbindet. Im Vorfeld des Drafts wurde heiß diskutiert und spekuliert, welchen QB Miami wohl draften würde. Am Ende hat sich Miami trotz Verletzungshistorie in Tua für den Spieler mit der besseren College Karriere und dem „IT“-Factor anstatt für den introvertierten „big armed“ QB mit Gardemaß entschieden. Justin Herbert spielt bisher für einen Rookie QB eine herausragende Saison und auch Tua hat im letzten Spiel sein Potential durchblicken lassen. Die beiden QBs werden vermutlich ihre ganze Karriere miteinander verglichen. In dem mit Spannung erwarteten Spiel wird sich zeigen wer im ersten Duell die Nase vorne hat.

 

Der Gegner:

Die L.A. Chargers von HC Anthony Lynn haben in der Offseason ein starkes, junges Team aufgebaut und wollten unbedingt in die Playoffs zurückkehren. In der Defense wurden mit CB Chris Harris Jr. und DT Linval Joseph zwei sehr gute  Verteidiger verpflichtet und die Offense Line wurde durch die Zugänge von  OT Bryan Bulaga und Pro Bowl OG Trai Turner gestärkt. Doch durch viele Verletzungen und knappe Niederlagen gegen gute Teams stehen die Chargers mit nur zwei Siegen und sechs Niederlagen auf dem letzten Platz der AFC West. Dennoch darf man die „Bolts“ nicht unterschätzen, denn zum einen lagen sie in Spielen gegen sehr  gute Teams teilweise deutlich in Führung (11 Punkte gegen die Chiefs, 17 gegen die Buccs und 17 gegen die Saints, wobei sie alle Spiele noch knapp verloren) und zum anderen könnten gegen Miami viele verletzte Spieler ins Team zurück kommen (Chris Harris, Joey Bosa, Trai Turner, Bryan Bulaga, ect.). Dies steht jedoch aktuell noch nicht fest. Im Durchschnitt verloren die LA Chargers ihre sechs Spiele mit nur 4 Punkten unterschied.  — update — anscheinend spielen Bulaga und Turner

Die Chargers Offensive (Nr. 2 in Total Yards in der NFL mit 420 Yards pro Spiel) wird angeführt von Rookie QB Justin Herbert, der in Woche zwei den Starting Spot von Tyrod Tylor übernahm und nicht mehr abgab. Mit seinen sehr überzeugenden Leistungen (67,29% Completion Rate, 2146 Yards passing, 17 TD – 5 INT; Passer Rating von 104,7) ließ er HC Lynn praktisch auch keine Wahl. Lieblingsanspielstation von Herbert ist der dreimalige Pro Bowl Receiver Keenan Allen, der auch in 2020 wieder eine herausragende Saison spielt und durch präzieses „Route-running“ fast immer anspielbereit ist. Bisher konnte er 62 Catches für 651 Yards und 4 TDs beisteuern (34% aller gefangenen Pässe der Chargers gingen auf ihn). Während Allen eher für die kurzen und mittleren Routen zuständig ist und öfter auch im Slot spielt, übernimmt Mike Williams die Rolle des Deep Threats (23 Catches für 17,1 Yards pro Catch, 64 Yards war der längste Catch).

Die Offense selbst ist eher einfach gestrickt. LAC operiert überwiegend aus der Shotgun und meist mit 3 oder mehr WRs auf dem Feld (10 und 11 Personal). Hieraus wird natürlich überwiegend gepasst und ab und zu auch mal ein HB Draw gespielt oder der QB läuft selbst per geplantem QB Laufspielzug. Die Chargers spielen teilweise ähnliche Konzepte wie die Bills (z.B. die tiefen Crossing routes) und wenn der QB genügend Zeit hat, kann er immer wieder große Raumgewinne erwerfen. Wenn Herbert aus der Shotgun keine Anspielstation findet, versucht er selbst zu laufen, was dank seiner Athletik meist gut gelingt. Allerdings nimmt er im Gegensatz zu Kyler Murray viele unnötige Hits. Wenn Herbert „under center“ spielt, gibt es meist einen Lauf oder ab und zu ein Play Action Pass (öfter dann auch als RB Screen). Einen normalen „Dropback Under Center“ gab es beispielsweise gegen Las Vegas nicht. Im Laufspiel werden viele „outside zone“ runs gespielt, allerdings sind aktuell alle RBs der LAC verletzt, sodass der alte Bekannte, Kalen Ballage, aktuell als Starter gelistet ist. Die Offense Line war in den letzten Spielen eher schwach, da viele  Starter verletzt waren. Vor allem die OTs Tevi (PFF rank 65 von 75 OTs) und Pipkins (PFF rank 74 von 75 OTs) machten im letzten Spiel keine gute Figur. Dies wird sich vermutlich durch die Rückkehr von Bulaga und Turner ändern.

Die Verteidigung der Chargers ist ebenfalls nicht sehr variabel und einfallsreich, sondern darauf ausgelegt, dass fundamental sauberer und gut ausgeführter Football gespielt wird und der Gegner einen erst einmal schlagen muss. Die Bolts spielen in ihrer 3-4 defense hauptsächlich mit single high safety (z.B. in  ca. 37% der snaps eine Cover 3 defense) und bringen einen 4 Man Rush. Wenn die Spieler gesund sind, ist das dennoch eine sehr große Herausforderung für einen Offense, denn Joey Bosa und Melvin Ingram sind hervorragende Pass Rusher und die CBs Chris Harris und Casey Haywards, sowie die Safeties James und Adderley machen die Passrouten dicht. Da James auf IR ist und Bosa sowie Chris Harris vermutlich nicht spielen oder angeschlagen sind, wird es die Defense deutlich schwerer haben die Offense von Miami unter Druck zu setzen. In der Lauf Defense zeigte das Team aus LA im letzten Spiel große Schwächen gegen den Lauf, vor allem gegen Outside Zone (die Bolts gaben 160 lauf Yards ab; 6,1 pro Versuch) aber leider haben die Dolphins ja kein Laufspiel. Die Linebacker sind nicht sehr gut in Pass Coverage und können von TEs und RBs attackiert werden. Durch den aggressiven Pass Rush ergeben sich auch immer wieder Lücken für QBs, um selbst zu laufen.

Schlüssel zum Sieg:

 

– Game Plan Battle gewinnen

Die Chargers haben weder in der Offense noch in der Defense extrem ausgeklügelte Systeme und zudem noch einen Rookie QB, der zwar aus der Shotgun gut passt, aber offensichtlich Probleme „under center hat“. Die Defense verschleiert ihre Coverages nicht wirklich und hat zumindest gegen Las Vegas eher selten geblitzt. Die Dolphins Coaches müssten sich diese Kenntnisse zu ihrem Vorteil machen und entsprechende Game Plans entwickeln, um die voran genannten Tendenzen auszunutzen. Das hat schon gegen die Rams und Arizona gut geklappt und sollte gegen LAC daher noch besser funktionieren.

Key Matchup: Chan Gailey/Josh Boyer  vs. Shane Steichen/Gus Bradley

Man darf hier das volle Programm der Coaches erwarten. In der Offense wird es viele verschieden Formationen geben (von 10 und 11 personal bis 12, 21 und 13). Tua wird schnelle Pässe zwischen die LBs und die Secondary und gelegentlich in die Schnittstellen zwischen den CBs und dem Safety in der Cover 3 werfen. Screen Pässe sind gegen die Chargers auch ein probates Mittel. Vermutlich wird es auch ein paar Trickspielzüge oder Wildcat Plays geben, wenn Perry und/oder Lynn Bowden auf das Feld kommen (leider). In der Defense können wir ein bunten Mix aus Coverages und Blitzes erwarten, um den Rookie QB zu verwirren. Es werden auf einige Cover 0 Blitzes dabei sein und es werden wieder D-Liner in Coverage „droppen“. Eine Mischung aus dem Rams und dem Cardinals Game Plan könnte gut funktionieren.

– Stoppt Keenan Allen

Keenan Allen ist die Hauptwaffe der Chargers. Er schafft es immer wieder sich frei zu laufen und ist die liebste Anspielstation von QB Herbert.  Die beiden sind aktuell auf der gleichen Wellenlänge und verstehen sich blind. Gelingt es Keenan Allen auszuschalten, muss sich Herbert umgewöhnen und braucht vermutlich etwas länger die nächste Anspielstation zu finden und gerät somit unter Druck. Aber Vorsicht: Manchmal ist Allen nur der Lockvogel und wenn er gedoppelt wird, dann kommt der tiefe Pass auf die Crossing Route z.B. von Mike Willimans.

Key Matchup: Xavien Howard vs. Keenan Allen

Vermutlich wird Miami zunächst Xavien Howard gegen Keenan Allen spielen lassen und testen, ob er 1-1 besteht, falls Miami seine berüchtigten Cover 0 Blitze auspackt. Falls er Hilfe braucht, wäre es besser einen LB underneath in Coverage zu schicken. Wenn Bobby McCain over the top absichert, dann eher gegen Mike Williams, der öfter tief geht.

– Ausgewogene Offense

Im Spiel gegen Arizona hat Tua in der Offense sowohl im Passing als auch durch eigene Läufe Akzente setzten können. Allerdings ist der Pass Rush der Bolts stärker als der von Arizona. Sie können auch mit 4 Mann viel Druck machen (wenn Bosa spielt) und haben daher mehr Verteidiger in Coverage. Da LAC gegen den Lauf deutliche Schwächen gezeigt hat, wäre es ideal, wenn man eine gute Balance aus Pass und Lauf spielen und oft in „2nd and short“ oder „3rd and short“ Situationen kommen kann, um die Spielzugauswahl flexibel und die Rush Ends der Chargers im Dunkeln zu halten.

Key Matchup: Jackson/Hunt vs. Ingram/Bosa

Gegen die Pass Rusher Ingram und Bosa müssen Jackson und Hunt ihre besten Leistungen abrufen, um Tua die Zeit zum Passen zu geben. Jedoch müssen sie auch Lücken im Laufspiel öffnen, um ein Laufspiel zu ermöglichen. Aktuell laufen die Dolphins in 82% der Laufspielzüge „between the tackles“. Vielleicht wäre es hier an der Zeit mehr über außen zu versuchen, wobei dies vermutlich nicht an den OTs, sondern an der Athletik der OGs scheitern wird (zumindest wenn Kindley spielt).

Key Injuries (OUT oder DNP)*:

 – Miami Dolphins
DT Godchaux (IR), RB  Myles Gaskin (IR), Preston Williams (IR), Kyle van Noy, Christian Wilkins

– L.A. Chargers
RB Austin Ekeler (IR), S Derwin James (IR), C Mike Pouncey (IR), CB Chris Harris Jr. (IR), RB Justin Jackson

* Stand des Injury Reports von Donnerstag, 12.11.2020