Miami Dolphins @ Las Vegas Raiders

  • Beitrags-Kategorie:Preview
  • Lesedauer:9 Minuten zum Lesen

Das Match:

Im Saturday Night Prime Time Game sind die Miami Dolphins zu Gast bei den Las Vegas Raiders. Im brandneuen Allegiant Stadium versucht das Team aus Florida mit einem Sieg die Hoffnung auf die Playoffs zu wahren. Die Raiders haben zwar nur eine hauchdünne kalkulatorische Chance auf die Playoffs, aber Jon Gruden möchte seine dritte Saison als Raiders HC unbedingt mit dem ersten „winnig“ record“ abschließen (4-12 in 2018 und 7-9 in 2019). Für alle Hawaiianer könnte dieses Spiel noch zu einem ganz besonderen Ereignis werden, denn wenn Mariota für den angeschlagenen D. Carr antritt, dann stehen sich  zum ersten Mal in der Geschichte der NFL zwei in Hawaii geborene Starting QBs gegenüber. Man kann annehmen, dass sich die Beiden entsprechend von ihrer besten Seite zeigen wollen.

Der Gegner:

Die Las Vegas Raiders sind mit hohen Erwartungen in die Saison gestartet. Das letzte Jahr war  für ein „Rebuild Jahr Nr. 2“ eigentlich sehr erfolgreich, jedoch stockte das Team nach einem 6-4 Start und verlor 5 der letzten 6 Spiele. Dieses Jahr wollte man den Sprung in die Playoffs schaffen und verstärkte den Roster mit Veterans in Offense (Witten, Mariota, Agholor) und Defense (Kwiatkoski. Littleton, Maliek Collins) und holte im Draft einen Deep Threat Receiver, der die gegnerische Verteidigung vertikal unter Druck setzen sollte. Der Plan ging zunächst auf und Las Vegas lieferte einen 6-3 Start in die Saison ab, bei dem auch sehr starke Teams wie die Saints und Chiefs besiegt wurden. Jedoch auch in diesem Jahr kommt das Team zum Ende der Saison ins Stocken und konnte nur eines der letzten vier Spiele gewinnen (“last second” Sieg gegen die bis dahin sieglosen Jets). In den Spielwochen 11 bis 14 gab die Defense der Raiders 37,5 Punkte im Schnitt ab, woraufhin DC Paul Guenther entlassen wurde. Seit dem letzten Spieltag (gegen die Chargers) ist Rod Marinelli Interims-DC, wobei auch dieses Spiel durch eine schlechte Defense Leistung (30 Punkte) verloren ging. In diesem Spiel geht es für Las Vegas auch um die Ehre, denn das Team möchte um jeden Preis verhindern, dass dieses Jahr wieder im Endspurt versemmelt wird.

Die Offensive der Raiders spielt mit Derek Carr „under center“ bisher eine sehr gute Saison. Das Team kratzt an den Top Ten vielen Offensiv Statistiken (Platz 11 Total Offense, Platz 14 Passing, Platz 12 Rushing, Platz 11 Scoring) und ist besonders gut in der Third Down Conversion (Platz 2 mit 49,1% conversion rate).  Die Las Vegas Offense ist sehr ausgeglichen (53% pass attempts – 47% rush attempts) und verfügt – wenn gesund – über sehr viele gefährliche und in ihrem „skill set“ unterschiedliche Spieler. Im Receiving Corps gibt es mit Nelson Agholor einen vielseitigen WR, der sich frei laufen oder auch „contested catches“ machen kann (bekanntermaßen aber auch gerne mal einen fangbaren Ball fallen lässt). Hunter Renfrow ist ein typischer Slot WR, der mit Cleverness und Spielverständnis die freien Räume findet. Er wird oft im 3rd down angespielt. Rookie WR Henry Ruggs III ist ein explosiver und sehr schneller deep threat. Doch die Hauptangriffsoption im Pass-Spiel ist TE Darren Waller. Der frisch gebackene Pro Bowler hat in der aktuellen Saison bereits 93 Pässe für 967 yards (10,4 yards pro catch; 8 TDs) gefangen. Er wird überall auf dem Feld eingesetzt, um Missmatches auszunutzen (gegen die Chargers spielte er mal als Outside WR, mal im Slot oder mal als Inline TE). RB Josh Jacobs ist nicht nur ein guter Läufer, sondern auch eine oft genutzte Outlet Option im Pass Spiel. Die O-line ist sehr massig und physisch, hat aber in diesem Jahr gewisse Probleme im Run Blocking (3,7 yards pro Versuch von RB Josh Jacobs). Dennoch wird der Lauf oft genutzt, um das Playaction-Passspiel vorzubereiten. In Pass- Protection war die O-line bisher sehr gut und ließ nur 22 Sacks zu (Platz 8 in der NFL; zweitwenigsten Holding Calls in der NFL). Las Vegas spielt viel „under center“ und nutzt das PA-Passing immer wieder, um tiefe Pässe zu werfen (Top 4 in lange Pässe TDs mit 10 Stück über 40 Yards. Da sich Derek Carr allerdings früh im letzten Spiel verletzt hat, wird vermutlich Backupo QB Marcus Mariota für ihn einspringen. Das „sample size“ von Mariota bei den Raiders ist zwar auf ein Spiel beschränkt, aber man hat in diesem Spiel gesehen, dass die Offense mit  ihm deutlich anders spielen wird. Während Carr ein Pocket Passer ist, hat Mariota eher seine Stärken als „dual-threat“ QB. Im letzten Spiel setzte Las Vegas viel RPO und Read-Option ein und Mariota erzielte 9 Läufe für 88 Yards mit 1 Rushing TD. Es gab auch viele Roll-Outs, bei denen Mariota dem Druck entkommen konnte und präzise aus dem Lauf auf dann freien Receiver passen konnte.

Die Defense der Raiders ist eine 4-3 Base. Aufgrund des DC Wechsels kann man auch hier nur bedingt Rückschlüsse aus den vergangenen Spielen ziehen, da er erst ein Spiel für Las Vegas als DC bestritten hat. Historisch hat  Marinelli einen sehr starken Cover-2 (genauer gesagt Tampa-2) Hintergrund, allerdings hat Las Vegas gegen die Chargers verschiedenste Coverage gespielt. Eigentlich blitzt Marinelli auch nicht gerne, aber gegen die Chargers hat er es des Öfteren gemacht. Hier kommen wir auch schon zur ersten Schwachstelle der Raiders D. Momentan kann die D-Line kaum Druck erzeugen (16 Sacks, Platz 30 der NLF), was den gegnerischen Teams viel Zeit verschafft, Pässe anzubringen. In der Lauf Defense „läuft“ es auch nicht rund, hier geben die Raiders im Schnitt ca. 126 Yards ab (Platz 25). Die Linebacker haben gegen die Chargers große Schwächen in der Verteidigung gegen TEs gezeigt. Hunter Henry konnte fast mühelos in eine Zone „droppen“ und auf den Pass warten, ohne dass er von den LBs gestört wurde. Die Secondary tackled sehr gut und ist sehr physisch, hat aber sehr große Probleme in der Pass Coverage. Es werden viele mentale Fehler begangen, die zu Big Plays führen und auch viele PI Strafen begangen. Vor allem CB Mullen hat im letzten Spiel eine sehr schwache Leistung abgeliefert. Er sollte attackiert werden. Wenn man talentierte Spieler in der Defense hervorheben möchte, dann sind hier DE Clelin Ferrell und DT Maurice Hurst zu nennen, wobei beide mit Verletzungen zu kämpfen haben. In Summe hat die Defense bisher „nur“ 15 Takeaways produziert (10 Int, 5 Fumbles) und noch keinen defensiven TD erzielt.

 

Schlüssel zum Sieg:

 

– Score Points

Da die Las Vegas Offense tendenziell viele Punkte erzielt und einiges an Big Play Potential hat, muss Miami selbst auch viele Punkte auf das Score Board bringen, zumal die Defense der Raiders zur Zeit sehr schwach ist. Dies muss man ausnutzen, um lange, zeitraubende und zermürbende Drives zu absolvieren und mit TDs abzuschließen. Vor allem die LBs und die Secondary sind verwundbar.

— Update —
Durch die Rückkehr von CB D.Arnette und Safety J. Abram ist die Secondary besser als letzte Woche, bleibt aber dennoch die Schwachstelle. Abram ist sehr gut gegen den Lauf, hat in Coverage aber oft “mentale Aussetzer”.

Key Matchup:  Tua vs. D-Line
Wie auch gegen NE wird ein Schlüssel zum Sieg sein, ob Tua in RPO und Read-Option die richtigen Entscheidungen trifft. Pass-Options bei Loaded-Box, RB-Läufe bei „leichten“ defensive Packages (Nickel oder Dime), QB run, wenn der DE die LOS „crashed“, etc. Und natürlich muss er potentiellem Druck ausweichen und sichere Pässe präzise anbringen. Turnovers in der Red Zone sollten vermieden werden.  Tua sollte nach Möglichkeit die Schwächen von Travyon Mullen ausnutzen, um Big Plays zu kreieren oder mit Jump-Balls PIs zu provozieren.

– Contain Mariota

Mariota war schon zu Zeiten von Tennessee nicht der präziseste Pocket-Passer, doch wenn er sein Laufspiel einbringen kann, wird es gefährlich für die Defense. Miami hat in dieser Saison schon gegen einige sehr mobile QBs gespielt und sollte mit einem guten Game Plan am Start sein. Am besten sollte Mariota in der Pocket gehalten und zu schnellen Pässen gezwungen werden. Dann wird er Fehler machen.

Key Matchup: QB Spy vs. Mariota
Vermutlich wird Miami nicht einen QB Spy einsetzen, sondern je nach Play Call verschiedene Spieler mit der Aufgabe belegen. Dies könnten LBs Baker oder van Noy übernehmen oder Safety Brandon Jones. Wichtig ist auch, dass die DEs ihr „outside contain“ halten und Mariota nicht nach außen durchbrechen lassen und der QB Spy in der Folge die Mitte dicht macht.

— Update —

Pressure and Disguise

Nachdem nun doch Derek Carr als Starting QB gemeldet wurde, muss Miami seinen Game Plan entsprechend anpassen. Las Vegas wird mit Carr mehr auf „klassische Pässe“ aus der Pocket werfen, statt viel Read-Option und Roll-outs. Daher müssen die Dolphins zunächst den Lauf stoppen, um 3-und-lang Situationen zu erzielen, damit das Play-Action Passspiel nicht mehr so stark zieht. Beim dritten und lang muss dann genügend Druck erzeugt werden, damit Carr den Ball schnell werfen muss und keine Zeit hat tiefe Bälle zu platzieren. Dennoch sollten Miami nicht zu viele Blitzer bringen, denn die Las Vegas Receiver sind gefährlich im 1-1. Idealerweise zeigt Miami Zero-Blitz an und verschleiert die Coverage, lässt dann aber nicht alle tatsächlich blitzen.

Key Matchup: Miami LBs vs. Las Vegas O-Line

Es wird sehr wichtig sein, dass die blitzenden LBs schnellstmöglich durch kommen, damit Carr keine Zeit hat. Allerdings müssen sie auch auf Screen Pässe achten, denn Josh Jacobs wird bei Druck gerne als „Outlet Option“ genutzt. Die LBs, die den Blitz nur angetäuscht haben, müssen zügig in ihre Zonen bzw. zu ihrem Mann kommen, um die Räume im Pass-Spiel möglichst eng zu machen.

– „stone wall“ Darren Waller

Pro Bowl TE Darren Waller ist die Nr. 1 Pass-Option. Er kann ein Spiel dominieren. Miami muss ihn aus dem Spiel nehmen und Mariota dazu zwingen, andere Anspielstationen zu finden.

Key Matchup: Team Effort
Eigentlich sollte man denken, dass hier Eric Rowe als Key Matchup gegen Waller stehen sollte. Allerdings wird Waller so variable eingesetzt, dass vermutlich auch LBs oder gar CBs gegen ihn Spielen werden. In jedem Fall sollte man 1-1 Situationen vermeiden und ihn nach Möglichkeit doppeln. Falls man den Pass nicht verhindern kann, muss man versuchen den Ball während des Catch Prozesses aus den Händen zu schlagen (Howard hat das gegen N.E. schön vorgemacht). Falls Ruggs spielt, muss man natürlich seine Geschwindigkeit respektieren und dann abwägen, wenn man wann doppelt.

 

Key Injuries (OUT oder DNP)*:

 – Miami Dolphins
DT Godchaux (IR), , Preston Williams (IR),  OG S. Kindley, DE S. Lawson

– Las Vegas Raiders
OG R. Incognito (IR), S Jeff Heath (IR), Tanner Muse (IR), DE C. Ferrell

* Stand des Injury Reports von Donnerstag, 26.12.2020